Honigmund erzählt











{16. Mai 2012}   Leben und Leben lassen

Toll ist, wenn man mit fortschreitender Beziehung auch Früchte einer Arbeit ernten kann und nicht nur Arbeit hat. Mit Honigmunds Liebstem war es schwierig in den letzten zwei Jahren, um so schöner, dass sich jetzt einiges zum Guten zu wenden scheint. Wir haben einige Umstrukturierungen vorgenommen, der Versuch, meiner doch recht stark ausgeprägten Polyneigung ebenso Raum zu geben wie der Beziehung, so dass ein Gleichgewicht entsteht. Bisher funktioniert das sehr gut und ich erlebe viele schöne Stunden mit anderen Menschen, aber auch wieder vermehrt schöne Stunden zuhause mit ihm.

Erotik findet wieder statt in meinem Leben, herrlich, das mitzuerleben, herrlich, mich so lebendig zu fühlen und nicht das Gefühl zu haben, meine doch in reichem Maß vorhandene Lust sei eine schlechte Eigenschaft, die es meiner Beziehung schwer macht, zu existieren. Ich habe meine Freude und Begeisterung an der Erotik immer als eine Bereicherung empfunden, nur in den letzten Jahren kamen mir Zweifel, ob ich damit nicht auch viel kaputt mache. Doch es scheint, als benötige man vor allem die richtigen Rahmenbedingungen dafür, damit gelebte Körperlichkeit nicht zur Belastung sondern zur Bereicherung wird – und zwar für alle Beteiligten.

Es ist schlicht wieder Frühling. 🙂

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{1. Januar 2012}   Prosit Neujahr

2012 also. Um 0 Uhr das übliche Geknalle, der gute Ursprung funkelt dunkelrot in meinem Glas und ich frage mich, wann ich wohl das letzte Mal allein an Silvester war. Fast hätte ich gesagt „noch nie“, dann fällt mir jene Nacht ein, in der ich eine üble Magenverstimmung hatte, da war ich 16 oder so und verbrachte den Jahreswechsel am Fenster allein bei meinem Dad mit Blick auf die wunderschöne Großstadtskyline. Dass ich damals nicht lang stehend ausgehalten habe und den Rest der Jubelstunde über der Kloschüssel hing, die ganzen restlichen Raketen von mir ungesehen am schwarzen Nachthimmel verglüht sind, lassen wir mal außen vor.

Meine beiden Miezen stürzen sich auf das Menü, sie sind der Grund, weshalb ich eine Viertelstunde vor Countdown die Feiernden zwei Straßen weiter verlassen habe und hierherkam. Ein Freund hatte bei blödbook einen Link geteilt „bitte nehmt eure Tiere an Silvester ernst, wenn sie Angst haben“. Und ich bin so froh, hier zu sein, sie suchen meine Nähe und lassen sich ein wenig von mir beruhingen.

Honigmund hat durch diesen Umstand Zeit, nachzudenken, prostet sich selbst zu, tröstet ängstliche Tierchen und freut sich eigentlich, allein zu sein. Ich freue mich auch, dass 2011 vorbei ist, hat es mich doch ordentlich gebeutelt, dieses Jahr – herzlich willkommen 2012, das kann nur schöner werden und zeigt jetzt schon bessere Tendenzen als das vergangene Jahr. Der Rotwein liegt schwer auf meiner Zunge, ich bin schon leicht beschwipst und dementsprechend sentimental. Sich der bedeutungsschwangeren Jahreswechsel-Stimmung zu entziehen ist auch nicht sehr leicht, da hilft es mir nicht einmal, Wäsche zusammen zu legen. Ich stehe verträumt vor dem Korb, einen vergessenen Pullover in der Hand und lasse die letzten Wochen und Monate Revue passieren.

War ja nicht nur schlecht, dieses Jahr. Anstrengend, aufreibend, orkanartig, ermüdend und noch mehr ermüdend, aber es gab auch kleine Inseln der Erholung. Die Geburt meiner kleinen Namensvetterin im März zum Beispiel, wo ich ein Bergvilla-Wochenende ausließ (das erste überhaupt seit meinem ersten Besuch dort), um bei der Hausgeburt meiner besten Freundin Support zu leisten. Eine Zeit, in der ich froh war, für zwei Wochen komplett von der Welt abgeschnitten zu sein, häusliches Familiendasein zu (er)leben und gänzlich unterzutauchen. Dem Zauber beizuwohnen, wenn ein neues Menschenkind das Licht der Welt erblickt.

Meine Katzen rasen durch die Wohnung, ein ganzer Cluster an Geknalle hat sie erschreckt, ich unterbreche meine Gedanken, setze mich im Schlafzimmer aufs Bett, kraule weichen Pelz und schaue in den Nachthimmel.
Bang.
Ein Teil in mir verachtet die Millionen, die dort in den Nachthimmel verbraten werden, den Müll, der produziert wird, und ein anderer kann sich dem Zauber der Farbkaskaden doch nicht entziehen und träumt weiter vor sich hin. Aufpassen, Honigmund, grübele nicht über das, was es dir so schwer gemacht hat im vergangenen Jahr, denk über die schönen Momente nach.
Oh, sehr wichtig: ich habe eine zauberhafte Frau gelernt – Klara, eine Brasilianerin, Tänzerin, Tantramasseurin. Sie war Workshopleiterin eines Tantra-Workshops, bei dem Honigmund und ihr Liebster aufgeschlagen sind. Ihre Präsenz hat mich beeindruckt, eine bildschöne Frau, sie wurde mir vorgestellt, ich habe sie bestaunt und direkt abgehakt, sie näher kennen zu lernen. Eine solche Frau, auch noch bekennend poly, wird umlagert von Verehrern jeglichen Geschlechts. So beschloss ich, mich in keinster Weise diesbezüglich „anzustrengen“, freute mich an ihrer Bewegung, ihrer tiefen Stimme und ihren Händen beim Workshop, wenn sie kam und etwas erklärte und ließ jegliches Begehren außen vor.
Umso größer dann später meine Überraschung, als sie mich auf einer Party fragte, ob ich für sie Modell sein möge bei einer Tantra-Performance. Ich verschluckte mich regelrecht an meinem Getränk, sagte begeistert zu und fühlte mich wie Alice im Wunderland. Die darauffolgenden Wochen sahen wir uns selten, auf einer Party umtanzten wir uns nervös wie Teenager, sowohl die „Übungsstunde“ als auch die Performance an sich verliefen in trautem Einklang aber beide legten wir eine vorsichtige Professionalität an den Tag. Es folgten zwei weitere öffentliche Begegnungen dieser Art, in der wir uns zwar sehr nah kamen, aber eben keine tiefere Intimität entstehen konnte, da zu viele Augen auf uns ruhten. Auch ein privates Spiel zwischen uns, in dem ich aktiv spielte auf einer Playparty, geriet zu einer Performance, da plötzlich unendlich viele Leute zusehen wollten. Offensichtlich geschieht so etwas leicht, wenn zwei Bühnenkünstlerinnen (oder soll ich „Rampensäue“ sagen?) aufeinander treffen. Erstaunlich, dass ich es trotzdem so ausführlich genießen konnte. Der intimste Augenblick war wohl unser Saunabesuch. Kein Sex, nichts übermäßig erotisches, aber zärtliches Zusammensein, selbstverständlich liebevolle Berührung und totale Ignoranz der verwunderten Blicke um uns her. Ich gestehe, ich genieße auch das unkonventionelle unserer Freundschaft, gleichgeschlechtlich auffallen ohne sich in Schubladen zwängen zu lassen, genießen, was man geschenkt bekommt und geben, wonach einem ist.
Irgendwann verstärkt sich dann doch der Wunsch nach mehr Intimität, ich gebe es ja zu, aber ich nehme das sehr gelassen alles. Klara ist ein Schmetterling, man weiß nie, welche Blüte sie als nächstes ansteuert (ich selbst bin ja auch nicht gerade bodenständig in dieser Beziehung) und es würde nur unglücklich machen, sie erhaschen zu wollen. Ich freue mich über jede Begegnung mit ihr, auch wenn dazwischen teilweise mehrere Wochen liegen.
Sex mit ihr? Bitte, ja, unbedingt. Aber eben dann, wenn es passt. Sie hat mich gefragt, ob ich mit ihr Zeit verbringen will jetzt im Januar, weil sie voraussichtlich einige Tage sturmfreie Bude haben wird. Beim Gedanken daran stürze ich hastig den Rest meines Rotweins hinunter. Die Vorstellung, eine ganze Nacht mit ihr zu verbringen, sorgt für eine Miniaturfeuersbrunst in meinem Bauch, ich schlucke schwer und ertappe mich dabei, dämlich grinsend auf meinem Bett zu sitzen. Es ist ein schönes Gefühl, begehrt zu werden und zu erleben, wie sich jemand so unangestrengt um mich bemüht…

Ich höre das vertraute Geräusch des Schlüssels in der Tür. Mein Liebster hat nach dem ersten Schwung Böller beschlossen, kurz nach mir zu sehen, wünscht mir grinsend ein frohes neues Jahr, krault unsere Katzen. Er hat sein Rotweinglas mitgebracht – da soll einer sagen, die Stadt sei unpersönlich, wir feiern wie auf dem Dorf mit vielen Nachbarn und Freunden zusammen. Er unterbricht meine Grübelei, meinen inneren Rückblick, ich bin ihm dankbar für die heitere Verschnaufpause… Die Stille ist tiefer, als die Tür hinter ihm wieder zu fällt.

Eine weitere Insel in meinem Alltagschaos war die Sommerbergvilla, die erst mit Klara stattfinden sollte und dann doch ohne sie stattfand. Ich habe davon hier im Blog berichtet (jaja, ich weiß, ich habe den letzten Teil nicht mehr geschrieben). Man hätte es eine Bondage-Villa nennen können, so ausführlich, wie ich mich mit dem schönen Rigger beschäftigen durfte. Wieder muss ich in mich hineingrinsen. Vielleicht auch deshalb, weil die Erinnerung durch die Wintervilla ein wenig aufgefrischt wurde. Ich denke an die Ropemarks, die noch ein paar Tage meinen Körper verziert haben und fühle mich für einen Moment wieder schwerelos, gebunden, ein kreisender Satellit, der kurz zum Stillstand kommt, meinen Kopf an den des Seilers gelehnt…
Die Wintervilla war in erotischer Hinsicht ungewöhnlich. Ich war nicht sehr aktiv, habe mich mehr um meine Geburtstagstanzparty gekümmert, Musik sortiert und Workshops besucht, als Sex gehabt. Spannend und irgendwie auch schön war ein kurzes Gespräch mit Dyke. Wie unscheinbar sich Annahmen einschleichen, die nichts mit der Realität zu tun haben! Wir haben nicht viele Worte gemacht, aber für mich hat sich ein Bild von ihr um mehrere Grad zurechtgerückt. Seit der Sommervilla war ich ein wenig unsicher geworden, ob ihr das Spiel mit mir überhaupt noch gefällt und zog mich darauf hin ein wenig zurück. Keine Reaktion von ihrer Seite, distanziertere Umarmungen zur Begrüßung und Verabschiedung, ich akzeptierte dies und ließ es so stehen. Ich vermisste ihre Hände, ihr Gesicht, ihre Nähe, den Schmerz, den sie mir so leidenschaftlich zufügt, klammerte mich an die Erinnerung unseres letzten Spiels (das war hier zuhause bei einer Party, gefühlte Jahrhunderte her), dachte über all das nach, was ich eigentlich noch hatte mit ihr, durch sie, erleben wollte und achselzuckte diese Gedanken und Sehnsüchte dann doch irgendwann schicksalsergeben fort und ließ die Zeit für mich arbeiten. Ich gönnte meinem Liebsten die schönen Spiele mit ihr von Herzen, freute mich mit ihm über ihre Aufmerksamkeit und die Ebene, die er mit ihr gemeinsamt hat und mühte mich, das leicht schmerzliche Ziehen zu ignorieren, dass sich dabei einstellen wollte.
Irgendwann fand ich die schweigsame Duldung der Distanz dann doch doof und beschloss, ihr die Entscheidung nicht vorweg zu nehmen – woher sollte sie wissen, dass ich „spielbereit“ bin, wenn ich nicht fragte?! Es war Samstag und ihre Reaktion amüsant. „Wie jetzt – das fragst du mich Samstag abends um acht?“ Leicht belustigt erklärte sie meinem Liebsten (und indirekt mir), dass sie nun wohl ein Exempel statuieren müsse und nicht nachgeben dürfe, damit ich meine Lektion lerne. Ich würde nicht mehr schreiben (früher hätte es ja noch Blogeinträge und Emails im Vorfeld gegeben etc.), nur noch kurzfristig um Spiele fragen… Mir fiel es wie Schuppen von den Augen! Ich hatte sie immer als jemanden eingeschätzt, der kein „Vorglühen“ braucht, hätte ich mal genauer hingesehen, hätte ich wohl schnell gemerkt, dass dem nicht so ist: ihr Schimpfen über das Fehlen meiner Blogeinträge, die wochenlange Aufheizphase vor dem Spiel mit meinem Liebsten… ich konnte nur noch über mich lachen und akzeptierte es nun deutlich entspannter, dass eine zweite Bergvilla ohne eine Begegnung mit ihr vorüberging, trug meine „Strafe“ mit Haltung. Ich hatte sie nicht mehr teilhaben lassen an den stillen Momenten, die ich im Geiste mit ihr durchlebte und prompt den Preis bezahlt. Nun, der eine merkt es früher, der andere später. Gut nur, dass ich doch gefragt hatte…

Bang.
Wieviel Zeit ist eigentlich vergangen? Ich schaue benommen auf die Uhr. Halb eins. Die Knallerei hat nachgelassen, es kracht nur noch vereinzelt, mein Kater leckt das Schüsselchen aus, die Kleine hat sich in ihr Körbchen verzogen. Offensichtlich werde ich hier nicht mehr gebraucht. Ich lehne meinen heißen Kopf an die kühle Scheibe und betrachte den Nachthimmel, in dem nur noch vereinzelt bunte Lichter explodieren und mühe mich, in die Realität zurückzufinden. Mein Geist schwirrt, ich pendele zwischen den Sphären hin und her, Räume mit gedimmtem Licht, in dem lange, lockige Haare über meine wundgeprügelte Haut streicheln und meiner Wohnung hier, kaltem Metall auf meiner Haut und dem Wissen, jetzt wieder auf die Party zu gehen…

Irgendwann löse ich mich dann doch, das Anziehen der Jacke und der Schuhe bringt mich endgültig zurück, ich wühle mich durch Rauchschwaden und Trauben aufgedrehter Menschen, die ganze Stadt ist auf der Straße, überall Musik, Leute, Gläser, Taxen, Lichtblitze, Heuler, krachende Chinaböller und irgendwann meine Freunde. Nur ganz hinten, gut versteckt hinter meiner Stirn in einer Ecke meiner Vorstellungskraft kauern die Bilder von vergangenen und zukünftigen Momenten, von dem, was das Leben so lebenswert macht… auch und erst recht in 2012.

Frohes neues Jahr euch allen!
Eure Honigmund



Heute früh erscheint mir das Morgenlicht wässriger, die Sonne kraftloser und zum ersten Mal seit Monaten (trotz Regenwetter) kann ich mir den nahenden Herbst vorstellen. Das liegt weniger am Datum als am Geruch. Ich hatte erst kürzlich den Eindruck, es rieche nach Herbst, dann kamen zwei brühwarme Tage und ich verwarf den Gedanken. Jetzt ist er wieder da, dieser Hauch von feuchter Erde, Kälte und Weite, gut verborgen in lauwarmer Spätsommerluft. Ich liebe den Herbst. Er ist rauer als Sommer oder Frühling, birgt beide Seiten der Medaille auf so wunderbare Weise in sich – Schönheit in vollendeter Form und das kleine jährliche Sterben der Welt. Das Aufbäumen dagegen, die Unwetter, peitschender Regen und Wind gehören genauso dazu wie der das Herz zerreißende Blick auf einen tiefgefärbten Wald vor einem weiten, blauen Herbsthimmel.

Honigmunds Herz klagt mit an diesem Morgen. Und krallt sich heimlich an den Erinnerungen fest, die freuen, wärmen und über so manche Alltagshindernisse hinweghelfen im Augenblick.

Der Samstag begann wie der Freitag mit Workshops. Ich verschlief das Frühstück und damit eine Verabredung mit einem sehr netten Herrn, der bislang noch gar keine Erwähnung hier gefunden hat. Ich nenne ihn Lir, er hat sich selbst diesen Namen gegeben. Lir übt einen Heilberuf aus und ich hatte ihn darum gebeten, sich meinen Rücken anzusehen. Vor dem Mittagessen (wozu eigentlich frühstücken, wenn es um zwölf Uhr dreißig schon Mittag gibt?) sah ich ihn wieder und erklärte mich zerknirscht. Er lächelte, ruhig, wie so oft, und meinte, er habe jetzt Zeit.
Ich kenne ihn schon länger, immer mal wieder durfte ich für kurze Zeit seine Zauberhände auf mir spüren und auch, wenn das und einige zärtliche Umarmungen der einzige Weg waren, auf dem wir uns bislang näher gekommen sind, zieht es uns doch schon seit geraumer Zeit zueinander. Der Grund, warum wir uns jedoch zurückhalten, liegt in der leisen Eifersucht meines Liebsten, der sich immer noch mit anderen Männern schwer tut (die Spielmöglichkeiten mit Männern, die ich habe und von denen ich hier berichte, wurden mir von ihm vorsichtig und schrittchenweise mit langer Vorlaufzeit zugestanden).

Es ist nicht ganz leicht zu erklären: auf den ersten Blick tobt er sich in der Bergvilla ohne mich mit sieben Frauen gleichzeitig aus, geht sorglos auf Schäkereien und Dates ein… man könnte meinen „warum darf sie dann nicht genau so“?
In schwierigeren Momenten drängt sich mir diese Frage auch immer mal wieder auf, und doch gibt es eine ganz einfache Antwort: das, was weh tut, geht nicht.
Mir tut es nicht weh, wenn er Freude mit und an anderen Frauen hat (mit Männern hat er es nicht so, auch das würde mich nicht stören). Ich freue mich für ihn, fiebere mit und erwarte neugierig und aufgeregt Bericht. Für ihn ist das nicht so leicht. Eine Frau… nun, das ist etwas andres. Aber ein Mann – das ist ein potentieller Konkurrent, das ist ein weiterer Hahn auf dem Spielfeld, der berochen, besehen und eingeschätzt werden will. Mich schränkt es ein, oft macht es mein Dasein weitaus schwieriger, als ich mir eingestehen möchte, und doch mühe ich mich trotz meiner Regsamkeit, mich zu zügeln, um ihm keine ungewollten Verletzungen zuzufügen. Manchmal keimt Trotz in mir auf – ich gehöre nichts und niemandem, nur mir selbst, und will nicht unter Besitzansprüchen erstickt werden. Aber wenn es um seine Gefühle, sein Herz geht, dann schmelzen meine Widerstände und ich halte meine Begierde zurück. Was ist schon ein leidenschaftliches Spiel gegen die Verletzung eines Menschen, den man liebt…

Und so hatten Lir und ich bislang nicht das Vergnügen. Bei der „Behandlung“ genoss ich die körperliche Nähe und als er mich beim Aufstehen erneut zu Boden trat (barfuss), dachte ich, mein Herz setzt aus. Wir unterbrachen, bevor die Situation zu einem ungewollten Selbstläufer wird, erstens, weil es Essen gab (nichts hätte mir in diesem Moment egaler sein können als das Essen) und zweitens aus oben genannten Gründen. So zügelte ich meinen inneren Aufruhr, nahm die Hunde wieder an die Leine und mühte mich um Fassung.

Der Nachmittag war voll mit Workshops und den frühen Abend verbrachte ich erneut mit dem Earl. Sorgenvoll sah ich die Dynamik zwischen der Lady und meinem Liebsten, die der Grundstein für eine Entwicklung war, die diese Bergvilla für ihn zu einer nicht so himmelhoch jauchzenden Erfahrung gemacht hatte wie für mich. Die leichte Distanz, die sich zwischen den Royals und uns aufgetan hat, ist für den Earl und mich weniger schwierig, wie mir scheint.

Dann brach der Partyabend an…. (Fortsetzung folgt)



Ich zähle die Tage. Noch 106 Tage bis zur nächsten Bergvilla. Warum ich schon daran denke? Warum ich es nicht auszuhalten scheine bis dahin?

Weil ich schon den Abschied nur durch den Gedanken ertragen kann, dass man sich wieder sehen wird. Interessant ist es, dass auch dieses Gefühl weniger wird. Ich habe es schon ein früheres Mal beschrieben – es ist wie eine Tafel, auf der die Schrift langsam verblasst. Man trifft sich wieder, wenn alles ausgewischt ist, bereit, eine neue Geschichte aufzunehmen.

Der Anfang war dieses Mal für mich sehr schwer, ich habe keinen Einstieg gefunden, dachte, ich fahre besser sofort wieder heim, den Kopf voller Jobschwierigkeiten, müde, abgekämpft und urlaubsreif. Außerdem hatte ich den Anschluss verloren, die Menschen kamen mir zwar vertraut doch gleichzeitig so fürchterlich fremd vor. Honigmund hatte ein hartes Jahr bislang und mich auf ein buntes Treiben an lustvollen Spielen einzulassen erschien mir nahezu unmöglich. Doch wie das oft so ist, wird die Party, auf die man am wenigsten Lust hat, ein totaler Kracher, und so war dieses Bergvilla-Wochenende wieder ein ganz besonderes Erlebnis für mich.

Ich weiß gar nicht genau, wie ich das alles beschreiben soll, eine chronologische Abfolge erscheint mir so unlogisch. Wenn ich an dieses Wochenende denke, denke ich in erster Linie an den Seilkünstler M, den ich jetzt fast ein ganzes Jahr nicht gesehen habe und an seine bildschöne Freundin. Sie kamen spät, doch als sie im Speisesaal standen (ich war gerade auf dem Weg irgendwohin), machte mein Herz einen Satz. Es gibt Menschen, bei denen man erst, wenn man sie wieder sieht, so richtig merkt, wie sehr man sie vermisst hat. So auch diese beiden, was war das schön, sie in die Arme zu schließen.
Natürlich war auch Chefin Dyke da, ich durfte sie zwischendrin einmal auf einer Party zuhause in den Armen halten, doch auch sie hatte ich lang nicht gesehen (wie so viele andere, die alle zu nennen diesen Rahmen sprengen dürfte). Ein wenig nagte das Gefühl an mir, dass sie sich vermehrt auf meinen Liebsten konzentriert, andererseits war ich überglücklich darüber, spürte ich doch seinen Stolz, wenn sie ihn aufzog und sich auf ein Spiel mit ihm freute. Also schluckte ich diesen klitzekleinen Brocken Eifersucht schnell wieder hinunter und beschloss, mich im Abseits zu halten – ich bin immer jemand gewesen, der sich holt, was er haben will (ganz lege ich das wohl nie ab), doch ich habe für mich bemerkt, dass mein Leben lebenswerter wird, wenn ich ab und an abseits der ganz große Egoismus-Schiene wandere. So hoffte ich auf ein Date, hielt mich aber im Hintergrund und freute mich mit ihm, wenn sie ihn strahlend an sein Spiel in der letzten Bergvilla mit ihr und so vielen anderen Damen erinnerte.

Die Royals waren ebenfalls da, wir hatten dieses Mal zum ersten Mal seit so einigen Bergvilla-Dekaden auf einen „Frauentausch“ verzichtet. Honigmund und ihr Liebster suchen derzeit wieder mehr Nähe zueinander und so erschien es uns wichtig, nicht alle drei Nächte im fremden Bett zu verbringen.
Trotz der Freude über die vielen bekannten und vermissten Gesichter toller Menschen brauchte ich eine ganze erste Nacht, um einzutauchen. Ab dem Frühstück jedoch war alles wie immer. Vielleicht ist es so, das man, wenn man größere Pausen einlegt, mehr Zeit zum Abtauchen braucht als wenn man keine Villa auslässt…

Die Tage waren angefüllt mit Workshops. Im Gegensatz zu sonst war ich neugierig, wollte den Kopf frei kriegen und schon der erste Workshop war ein voller Erfolg. Es war morgens, wir lernten wieder einmal eine schon bekannte Form der Knotenkunst bei M., von dessen Hände ich schon im Workshop den Blick nicht lassen konnte, wenn er das Seil über den Körper seiner Schönen legte. Ich hoffte inständig auf ein Date. Ich selbst war überrascht, wieviel Knowhow mir geblieben war trotz der langen Knotenpause und so hatte ich meinen Herzliebsten binnen kürzester Zeit und mit Schützenhilfe der Schönen in der Luft. Schön sah das aus – sein dunkler, schlanker Körper verziert mit den hellen Seilen… Warum tut man so etwas im Alltag so selten?

Der Tag ging weiter mit einem Workshop in Fisten und tatsächlich hatten wir auch da Erfolgserlebnisse. Leider tat von den vorherigen Testserien mein Innneres schon ein wenig weh als Frau Workshopleiterin (Dyke, wer sonst) sich selbstlos anbot, einen weiteren Versuch zu starten. Und obwohl es lief wie geschmiert (Kalauer!), konnte ich es in der sachlichen Atmosphäre um mich her nicht wirklich genießen. Ein Jammer, dass dies die einzige Begegnung mit ihr sein sollte, doch das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Den Nachmittag genoss ich mit dem Earl in trauter Zweisamkeit, während mein Liebster einen weiteren Workshop besuchte und wie es immer so ist in der Bergvilla rief dann auch schon wieder eine weitere Mahlzeit. (Man isst so unendlich oft dort, die drei üblichen Mahlzeiten sind für mich einfach viel zu viel.)

Dann nahte der Abend und ich fieberte dem Seilkünstler entgegen. Irgendwann fasste ich mir ein Herz und bat um ein Spiel. Schon in der Zeit vor diesem Wochenende hatten wir über ein Wiedersehen gesprochen und ich gebe zu, ich habe die Stunden mit ihm bei den vergangenen Bergvilla-Terminen vermisst. Was ich morgens im Workshop noch lediglich aus der Erinnerung bezog, seine Arme, die mich an seinen Körper ziehen während er das Seil windet, mich Knoten für Knoten, ruckend, immer enger ziehend, in seinem Netz einfängt, bis mein Kopf leer und mein Körper der seine ist… Der Stoff seiner Kleidung auf nackter Haut… die Erinnerungen kamen zurück, wurden greifbar, real und ich tauchte ab in dieses schon fast vergessene Gefühl von Schweben, Gehalten sein, Lust, Schmerz und der Sehnsucht nach einem Kuss, der mir dann gewährt wird, wenn es ihm gefällt.
Ich flog von der Sekunde an, wo er die erste Schlinge um mich legte, und ich sollte mich für den Rest des Wochenendes nicht mehr so richtig davon erholen. Als er mich herabließ (nach unendlich vielen Minuten, Stunden, mein Zeitgefühl war hinüber), vermischte sich seine Spannung mit meiner zu einem summenden Vibrieren zurückgehaltener Lust an, ich war nicht länger gefesselt und hielt ihn fest, zog ihn an mich. Ein glücklicher Zufall leerte den Raum, in dem wir uns befanden, bis wir allein waren, und so kamen wir uns um sehr vieles näher als in all den vorherigen Begegnungen.
Später kroch ich, körperlich müde, mein Geist summend wie ein Bienenstock ins Bett und wusste, dass, was auch immer dieses Wochenende noch bringen würde, zur Kür geraten musste. Honigmund schlief sich tief und traumlos in den nächsten Tag.

(Fortsetzung folgt)



Das stimmt. Ich blogge selten mittlerweile, warum eigentlich? Weil ich mittlerweile das Gefühl habe, mich in meinen Berichten zu wiederholen. Nicht, weil ich immer die gleichen Dinge erlebe, sondern weil sich für mich meine Artikel immer gleich anhören. Das ist seltsam, vielleicht täuscht man sich da mehr, als man denkt, weil man betriebsblind wird, das berühmte Problem mit den vielen Bäumen und dem Wald. Und doch ist Honigmunds Welt für mich in schriftlicher Form zu Einheitsbrei geworden, ich zensiere mich selbst, bevor ich schreibe…
In irgendeinem Künstlerratgeber habe ich mal gelesen, dass das normal ist. Aber hilft das einem Künstler (bzw. einem einfachen Blogger) über die inneren Widerstände hinweg zu gelangen?

Nicht denken, tun. Das ist wie beim Sex, vermute ich. Je mehr man darüber nachdenkt, was man tut, um so schlechter bzw. unentspannter wird die sündige Stunde. Das ist mir auch gestern aufgefallen, sehr massiv sogar – beim Sex mit meinem Liebsten war ich tiefenentspannt, doch ab dem Moment, wo ich anfing, über einen Orgasmus nachzudenken, rückte dieser mit Höchstgeschwindigkeit in weite Fernen. Erst, als es mir gelang, den Kopf abzuschalten, kam ich zügig und problemlos….

Es war einer dieser Abende, über die es sich zu bloggen mehr als lohnt. Es war die Geburtstagsfeier eines Freundes und seine virtuellen Herolde erreichten Menschen in ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus, auf das Fest zu kommen. Es war eine Feier, bei der selbst weit entfernte Freunde anreisen und so traf sich ein sehr illustrer Kreis an Feiernden in der Honigmund so wohl bekannten schwarzen Location. Die Vorfreude war entsprechend groß, als ich hörte, dass selbst die schöne Dyke anreisen wollte!

Wenige Wochen vorher schäkerte ich mit dem Geburtstagskind, was zur Folge hatte, dass ich schon wusste, in welchem Outfit ich dort aufschlagen würde – Honigmund ist zwischenzeitlich erblondet und als Geschenk verpackte ich mich als Sekretärin. Ich fühlte mich in den ersten Stunden wie ein Schmetterling… flatterte von Arm zu Arm, von Gespräch zu Gespräch wie auf einer bunten Blumenwiese und war in Honigmunds Element, bis ich zum ersten Mal an diesem Abend „zum Diktat“ gebeten wurde. Das Geburtstagskind nahm mich mit, wir suchten uns eine stille Ecke und mir wurde es ein wenig mulmig, als wir den Vorhang hinter uns schlossen. Das letzte Mal hatte er mit mir öffentlich gespielt, lauter Leute um mich, die mich kannten, hatte mir ein Latexband über das Gesicht gelegt, dass ich keine Luft mehr bekam, die Kontrolle über meine Atemfrequenz genommen und mir wirklich ein wenig Angst eingejagt.
Auch dieses Mal wurde ich festgebunden, stehend, an einem Andreaskreuz, unsicher, ob ich die honigmundsche dicke Lippe riskieren kann oder nicht. Ich tat es nicht, da ich bei neuen Spielpartnern vorsichtiger bin… Doch als er von mir verlangte, mich selbst als „Schlampe“ zu bezeichnen, kochte mein Stolz in mir hoch. Ich hasse es, solche Bezeichnungen über mich zu hören, geschweige denn, sie auszusprechen, und so schwieg ich trotz der Drohung. Er blieb konsequent und binnen kürzester Zeit hatte ich eine Lage Folie auf dem Gesicht. Ein fürchterlicher Zustand, da man einerseits noch ein bisschen atmen kann, andererseits nicht genug. Nach einer kurzen Weile, als mir wirklich die Luft knapp wurde, fing ich an zu zappeln, in der Hoffnung, er würde das Ding runternehmen – nichts. Ich zappelte mehr, leise Angst kroch in mir hoch und irgendwann überwog meine rebellische Art und ich zerbiss die Folie. Süße, weiche Atemluft.
Er amüsierte sich, wollte hören, was ich nicht sagen wollte. Wieder schwieg ich, wieder Folie, dieses Mal hielt er mir den Mund so zu, dass ich nichts zerbeißen konnte. Mein Widerstand brach in wenigen Sekunden… Missmutig und besiegt flüsterte ich, dass ich eine Schlampe sei mit dem festen Vorsatz, es ihm nächstes Mal nicht so leicht zu machen – und war wütend und amüsiert über mich selbst, wie sehr Angst mich auf Touren bringt…

Der weitere Abend verlief etwas ruhiger. Ich assistierte beim großen „Geburtstagsspiel“, unterhielt mich hervorragend und merkte, wie sehr ich diese Ansammlung von Leuten vermisst hatte. Die letzte Bergvilla war ja ohne mich verstrichen und erst, als ich einige der Lieben wieder um mich hatte, wurde mir erst wieder bewusst, wie wertvoll diese „Qlique“ tatsächlich ist. Es war schön, Dyke im Arm zu halten.
Als ich nach einem kurzen Intermezzo im Séparée mit meinem Liebsten wieder die Räumlichkeiten betrat, fiel mir auf, wie schnell die Zeit davon gelaufen war. Viele hatten gepackt oder waren bereits verschwunden, die allgemeine Partystimmung war von summend-vibrierend zu sanft-wogend gekippt, eine schöne Stimmung, dann, wenn viele schon weg sind, die Musik ruhiger wird, man innerlich mehr zur Ruhe kommt, weniger Erwartungen, Ablenkungen, Irritationen, weniger visuelle Eindrücke und das Gefühl, langsam wieder in sich anzukommen.
Zeit, die schöne Dyke ein wenig aus der Reserve zu locken, ich wollte sie ungern wieder nach Hause fahren lassen ohne sie gespürt zu haben, wenn sie doch schon mal meine Heimatstadt besucht… Es gelang. Was ich haben wolle, fragte sie. Mit dieser Frage bin ich gern überfordert, ich mache mir vorher wenig Gedanken, worauf ich dabei Lust habe, mehr, auf wen. Das ist aber ein allgemeines Problem (so man von einem Problem sprechen kann) von Honigmund – ich bin nicht gut darin, zu sagen, was ich haben will, was ich brauche, was mir gut tut….
Da ich irgendetwas antworten musste, bewegte ich mich auf sicherem Terrain – ich liebe ihre Stiefeltritte, das martialische daran, das Kriechen auf dem Boden, wenn es zu fest wird… und bat darum. Sie drückte meinen Kopf in die Hände meines Liebsten „halt mal fest!“, dann trat sie mir die Beine auseinander… ich ließ mich fallen. So selten, dass ich das so in Konsequenz tun kann, die Nähe des kühlen Bodens, die Hände, die mich hielten, die Gewissheit, dass ich einstecken will für sie… Sie widmete sich gemeinerweise vorwiegend meiner Scham und meiner Innenschenkel – ich stöhnte, schrie, wimmerte, teilweise war es wohl eine Mischung aus allem, wohlige, schmerzhafte Seufzer, die mir da entfuhren.
Ohne Zeitgefühl schwebte ich durch Schmerz, Geilheit und ihre körperliche Nähe – wollte alles, wollte mehr, natürlich war mir auch dieses Spiel zu kurz, wie immer und ich hielt sie fest, genoss den Druck auf meinen Innenschenkeln, der dicke blaue Flecken nach sich zieht und freute mich, so am Leben zu sein.

Erstaunlich – ich hatte recht wenig „echten“ Sex an diesem Abend – hätte mich mein Liebster nicht noch abgeschleppt, so wäre ich ohne Ficken nach Hause gegangen. Es ist doch ein Geschenk, diese Neigung, dass man eine Sexparty haben kann ohne zu ficken und trotzdem das Gefühl, ausgelastet und befriedigt zu sein.
Nun, wir vögelten noch, ich kam schnell, mein Liebster kam schnell, trotz der späten Stunde, und wir fielen in der tiefen Nacht bzw. schon fast am frühen Morgen glücklich und zufrieden ins Bett.



{31. März 2011}   Quickie

Gestern ein Tag wie jeder Andere, und doch ein wenig anders… Kaum auf dem Heimweg und noch eine Stunde Zugfahrt vor mir, überfiel mich die Lust wie eine Hyäne, völlig überraschend und unerwartet. Die Fahrt zog sich klebrig in die Länge, ich zappelte innerlich herum und betete, dass der Zug keine Verspätung einfahren würde.
Pünktlich im Hauptbahnhof eingefahren, pünktlich wieder weg, schnell etwas eingekauft (das musste leider auch noch sein), dann nichts wie nach Hause. Ich rauschte in die Wohnung wie ein Orkan, mein Liebster lag entspannt und auf Feierabend getrimmt auf der Couch. Wir hatten genau eine halbe Stunde Zeit, ich flitzte auf die Toilette und erklärte im Anschluss meine Absicht. Sein Gesicht war herrlich anzusehen, zu selten sind solche Momente.
Heiß war es – wir vögelten sinnlos auf der Couch, Netto-Zeit ca. 15 Minuten… Schweißperlen, schwerer Atem, Honigmunds Hände in die Sofakissen gekrallt, das Kleid lediglich hochgeschoben, mein Liebster so entfesselt, dass er den Orgasmus fast nicht halten kann. Wir kamen beide nicht, er, weil er zu spät zurückgezogen hatte, ich, weil ich durch den Break rausfiel – wundervoll spontan war es trotzdem. Leider kamen wir nach unserer Verabredung abends so spät nach Hause, dass wir den Quickie nicht fortsetzen konnten… Warum nicht öfter so?



{26. März 2011}   Gastbeitrag

Honigmund ist zurück aus ihrem Urlaub, erholt und zufrieden. Einziger Wehrmutstropfen war das verpasste Event in der Bergvilla… Nun, aufgrund der entsprechenden Ereignisse wurde der Ruf nach einem Gastbeitrag meines Liebsten laut. Wir lachten herzlich und besagter Liebster erklärte provokant, wenn wir das schaffen würden, dass er selbst einen Bericht schreibt, dann wären wir Oberklasse. Ich warnte ihn vor – ob er tatsächlich wolle, dass ich diesen Bericht übernehme? Er ließ sich auf das Wagnis ein…

Also komme ich nun meiner Aufgabe als „Ghostwriter“ in meinem eigenen Blog nach, aber ich schildere die Ereignisse aus meiner eigenen Sicht, nicht aus seiner, muss also auf die Informationen zurückgreifen, die mir zugetragen wurden.

Wenn die Katze aus dem Haus ist… das ist das erste, was mir zu seiner Erzählung einfiel. Irgendwann während meines sehr braven Urlaubsdaseins (ich verbrachte selbigen in einer kleinen Familie, die gerade Nachwuchs bekommen hatten und mit SM nichts am Hut haben) bekam ich meinen Liebsten an die Strippe, der gerade in der Bergvilla in der Sonne saß und sich zufällig mal an mich erinnerte.
Als er von den Plänen einiger dominanter Damen erzählte, schwang eine Mischung aus Aufregung, Vorfreude und Angst in seiner Stimme mit – sie ließen ihn im Dunkeln, was sie nun genau mit ihm vorhatten, dass sie jedoch etwas sehr bösartiges planten, war daran abzulesen, dass sie eine Idee, die bereits zu Silvester aufgekommen war, weitergesponnen hatten. Welche, das blieb für ihn im Dunkeln… ich ahnte etwas, hielt aber tunlichst meinen Mund. Die arme Lady hatte das Pech, bescheid zu wissen und in seiner Nähe zu sein und musste diverse Verhörmethoden über sich ergehen lassen. Mein Liebster erzählte mir bewundernd, dass sie trotz allem dicht hielt, was ihn nicht gerade beruhigte, war offensichtlich das vor ihm Liegende brisanter als er ahnte. Ich klatschte der Lady innerlich Applaus.

Samstag abend war es dann soweit. Ein Rudel Frauen überfiel meinen armen Männe und rührten an seinem Männerstolz: sie schnürten ihn in ein Korsett, steckten ihn in ein Röckchen und vergingen sich an ihm…. Seine Aufregung über den Abend ist selbst im Nachhinein eine helle Freude – irgendwann waren die Damen zu sechst, der Spielraum wurde zu einer Bühne für meinen zum Weibchen gemachten Liebsten, eine vorn, eine hinten, er wurde missbraucht und gefickt – vor allen Leuten. Ich wage zu sagen, dass das für viele Männer mit passiver Ader ein Traum ist, der dort wahr wurde. Selbst die sonst immer passive Lady ließ es sich nicht nehmen, mitzuspielen… Sehnsüchtig hörte ich ihm zu, wie er immer und immer wieder davon erzählte, dachte an die schöne Dyke, an die ganzen weichen Hände, Strap-Ons und fiesen Mundwerke, die ihm das Leben kurzfristig zur Hölle und Himmel gleichzeitig gemacht hatten… „Es gibt schlimmeres als Schmerzen!“ hatte Dyke ihm im Vorfeld gesagt… Jaja, ein stolzer Mensch kann tief fallen. Ich beneidete ihn ein wenig.

Noch heute schwärmt er davon, schwärmt von dem Kopfkino, welches die Damen in Gang gesetzt hatten durch ihre Drohungen, von der Situation, den sechs Frauen (auch solchen, die ursprünglich nicht für das Spiel vorgesehen waren), Eine schöner als die Andere… ich bin glücklich, dass er so voll von positiven Eindrücken nach Hause kam und es für ihn eine schöne Bergvilla gewesen ist, auch ohne mich. Und ein wenig schade ist es ja auch, dass er nicht selbst schreibt, ich kann seine inneren Eindrücke nicht wiedergeben, das kann nur derjenige, der die Situation selbst erleben durfte… Nun, vielleicht komme ich ja irgendwann in einen ähnlichen Genuss, dann werde ich ausführlichst berichten.
In der Zwischenzeit träumen wir beide von gemeinen Frauenhänden und ich ließ es mir nicht nehmen, ihn an einem passenden Abend zwei Tage nach meinem Urlaub ordentlich dafür zu verdreschen, dass er sich in Gegenwart solch vieler Damen so hat gehen lassen… ihm tat drei Tage hinterher noch der Po weh. Strafe muss sein. 😉



{10. März 2011}   Bergvilla ohne Honigmund

Honigmund weint innerlich Krokodilstränen und ist ein wenig gebeutelt von der seltsamen Realität – vor wenigen Stunden hat meine beste Freundin ein Mädchen zur Welt gebracht, ich bin weit weg von zuhause und meine Lieben fahren gerade zur Bergvilla. Meinen Liebsten habe ich gerade noch am Telefon erwischt, in der Bergvilla ist ein Funkloch und Kommunikation nur noch über Internet möglich. Ich bin so hin- und hergerissen! Einerseits wäre ich gern dabei, das bunte, lustvolle Treiben, die tollen Menschen, meine ganzen Freunde und Spielpartner… und andererseits darf ich hier das Wunder erleben, wenn ein kleiner Mensch seine allerersten Atemzüge tut.

Ich bin emotional durchgerüttelt, glücklich, müde und ein wenig traurig, denke an die Villa und kümmere mich um die junge Familie. Welt, was bist du aufregend!



„…beinahe schon verjährt, dieser Bericht.“ … Dyke hat ja so Recht mit ihrem Hinweis. Ich finde es selbst unfassbar schade, dass ich so wenig Ruhe zum Schreiben habe.

Honigmund hängt in der Alltagsschleife fest und klammert sich an die letzten Fetzen der Erinnerung an die vergangene Bergvilla fest wie ein Ertrinkender an besagtem Strohhalm. Denn – und es ist das erste Mal seit Beginn der Bergvilla-Ära für Honigmund und ihren Liebsten – ich werde das nächste Wochenende in der Villa auslassen müssen.
Das reale Leben ruft, ich bin im fernen Österreich und mein Süßer muss alleine fahren. Nicht, dass er dort keine Beschäftigung hätte, ich bin überzeugt, dass die ebenfalls anwesende Lady und Dyke (und sicherlich noch die ein oder andere Dame) sich umfassend um ihn kümmern werden. Honigmund darf derweil zwei Wochen Aupair-Mädchen spielen. Nun, ich habe es mir so ausgesucht und sicherlich werde ich es überleben, doch mein Herz blutet schon ein wenig beim Gedanken an die Menschen dort, die Räume und das, was ich verpassen werde. Allein das Wissen, dass der schöne Seilkünstler und seine Liebste wieder da sein werden… ich habe sie jetzt über zwei Bergvillen nicht gesehen und ausgerechnet jetzt, wo sie wieder können, bin ich nicht da.

Ich habe keinen Fortsetzungsbericht geschrieben – Asche über mein Haupt. Zwei weitere Begebenheiten, die ich beschreiben wollte und keine Zeit dafür gefunden habe, bzw. eher keine Ruhe. Jetzt ist die Erinnerung schwach, lediglich Schnappschüsse sind übrig und ich genieße jeden einzelnen davon: Ein dunkler Raum, eine winselnde Honigmund und unerbittlich hagelnde Schläge. Die verblüffende Erfahrung, dass ein Überschreiten der eigenen Grenzen anregend, aufgeilend und nachhaltig sein kann – wenn der Partner nicht aufhört, obwohl er spürt, dass es zu viel wird, dass der Schmerz zu unerträglich wird, der trotzdem und ohne zu zögern noch einige Schläge obenauf setzt… Andere Szene, Honigmund gebunden, reglos und mit gespreizten Beinen auf einem Hocker, der Zugriff auf alle intimen Körperstellen bietet. Ein Gummiband verdeckt meine Augen, zwei Männerhände, die meinen Körper erkunden. Irgendwann dann die erschreckende Erkenntnis, wozu dieses Gummiband tatsächlich gedacht war. Erst, als es mir Mund und Nase verschließt, mein Kopf zurückgezogen an den Körper des Mannes hinter mir, mein Atem, mein Überlebensinstinkt seiner Kontrolle unterworfen…. Panik, die mich durchfährt, als der Sauerstoff knapp wird und diese unendliche Dankbarkeit, wenn man dann hektisch und tief Luft holen darf… Es wechseln sich die Szenen ab, durchdringen sich, bilden skurrile Collagen aus Haut, Gummi, Holz, Haaren, Lippen und Körpersäften. Hitze, das kühle Leder von Stiefeln auf meiner glühenden Haut und immer wieder diese elektrisierende Mischung aus Schmerz, Gier, Angst und Geilheit…

Ich wünsche mir, diese Erinnerungen zu konservieren, in Glas zu packen, mit nach Österreich zu nehmen und dort ansehen zu können, immer wieder, in voller Länge. Stattdessen werde ich mich gedulden bis nach der Sommerpause… August? September? Eine Ewigkeit.
Wie gut, dass Honigmunds Alltags-Erotik etwas auflebt, sowohl mit ihrem Liebsten, als auch mit einem weiteren Spielpartner… Und dann sind da ja noch der Earl und die Lady, kein Grund also für ein zu ausgedehntes Lamento.



{26. Dezember 2010}   schmelzender Schnee

Honigmund hat wieder einmal ein Bergvilla-Wochenende hinter sich… Ich glaube, ich hatte noch nie so viel Sex in so kurzer Zeit wie in diesen drei Tagen. (Eine Woche ist es jetzt her, mir erscheint es schon wieder wie ein halbes Jahr, so schnell entfernt sich die Zeit). Mit meinem Liebsten war es harmonisch, auch wenn wir uns weniger als geplant miteinander beschäftigen konnten.

Wie schon bereits des Öfteren erwähnt, ist Honigmund ein Winterkind. Draußen lagen fast 40 cm Schnee, die Villa war eingeschneit, innen war es warm und ich habe mich tatsächlich durchgerungen, nach der Sauna ein Schneebad zu nehmen. Ich hatte wunderschöne Begegnungen, eine intensiver als die Andere. Los ging es bereits am Freitag. Schon nach dem Kaffee wurde ich ins Serail gezerrt. Bislang war ich ein wenig scheu, so in der Öffentlichkeit zu vögeln, auf der Matte, wo auch andere bekannte oder unbekannte Gestalten ihr lustvolles Spiel treiben. Aber irgendwann muss es sein, dachte ich mir und ließ mich also mitnehmen. Ich muss gestehen, es gelingt mir nicht gut, meinen Kopf von den Umherliegenden zu lösen. Immer wieder lenkt mich etwas ab, und entspannter Sex geht anders, aber es reizt mich auch, zu wissen, dass andere zusehen.

Als ich schließlich mit wackeligen Knien hinausgewankt kam, lief ich der schönen Dyke in die Hände…. Ob ich noch fit sei. Naja, fit ist da wohl relativ. Aber für Dyke würde ich wohl alles an Kraft mobilisieren, was ich hätte, da müsste man mich wohl vorher totschlagen… So fand ich mich in ihren Händen wieder, schneller als erhofft, noch vor dem Abendessen. Räkelte mich auf einem Tisch bis zu dem Moment, wo sie mir unversehens anfing, die Haut zu zerkratzen. Verdammt, ich hätte sie am liebsten angeschrien, sie solle mir weh tun, statt dessen liebkoste sie mich mal raubeinig, mal zart. Als ich kurz davor war, durchzudrehen, spürte ich kaltes Metall auf meiner erhitzten Haut. Treten… schlagen… ich hatte an alles gedacht, nur nicht, dass sie direkt mit ihren Messern kommt. Sie stehen ihr gut, diese Dinger, dachte ich bei mir, keinen Zentimeter bewegen, Honigmund, bloß nicht bewegen. Immer wieder zog sie mir die Klingen über die Haut, ihre Haare, ihre Klingen, ihre Haare. Immer wärmer wurde mir, ich zitterte (ja, ich habe immer noch Angst), und irgendwann war ich so in den Fängen meiner eigenen Gier, dass ich mich bei dem Gedanken ertappte, ein Tabu von mir zu brechen. Ich habe totale Paranoia vor allen Spielen, die mir im wahrsten Sinn des Wortes unter die Haut gehen (Branding, Cutting, Nadeln…). Aber schon beim letzten Spiel stolperte ich über meinen eigenen Impuls, sie zu bitten, „ernst“ zu machen. Das klingt seltsam, aber ich erschrak dieses Mal vor meiner eigenen Courage und wäre fast aus der Stimmung gefallen, also verschob ich sicherheitshalber diese Gedanken auf später. Ich hatte auch nicht mehr viel Gehirnkapazität übrig, an irgendetwas zu denken, denn sie zersäbelte mir mit Feuereifer meinen Slip, den ich angelassen hatte und vergrub ihre Hand in meiner Möse. Ich glaube, ich habe furchtbar laut geschrien, aber es war einfach zu geil. Am Rande meines Bewusstseins hörte ich Leute raus und reinkommen, aber ich nahm sie nicht wahr. Sämtliche Scheu ablegend rieb ich mich, während sie mich mit ihrer Hand fickte, bis ich explodierte und erhitzt und erschöpft, aufgebahrt wie ein Opfertier vor ihr lag. Sie schafft es wohl als eine der wenigen, mich gänzlich um den Verstand zu bringen. Honigmunds Kopf ist stark, sehr stark, er gibt nicht gern die Kontrolle ab. Aber bei Dyke kapituliert er einfach… ein herrliches Gefühl. Völlig durch den Wind krabbelte ich in Richtung Esssaal.

(Fortsetzung folgt)



et cetera